Seelenfutter: Ein überraschender Aufruf zur Spießigkeit

Blätter fallen. Morgens ist es neblig und dunkel. Das trübe Wetter schlägt sich auf unser Gemüt nieder. Und Sabine hat dazu aufgerufen, etwas über Seelenfutter zu schreiben. Über Ideen, Tipps und Rezepte, die gegen die frühe Dunkelheit und die kalte, unfreundliche Welt da draussen helfen.


Und ich dachte: Na klar, da kann ich ja irgendwas Süßes posten und bei Sabine einreichen. Schokolade macht glücklich. Und Kekse auch, oder Glühwein, ach, ist eigentlich egal, Hauptsache ein schönes Bild dazu und die Hoffnung, dass ein paar Leute sich zu mir hinklicken.
Halt!, rief da eine kleine Stimme in mir. Eigentlich ist das doch ein ganz wundervolles Thema, willst du dir darüber nicht ein paar ernsthaftere Gedanken machen? Und ich muss zugeben: die Stimme hatte Recht.

Versteht mich nicht falsch: Schokolade ist toll. Aber wirklich, ganz tief drinnen, heitert sich mich eigentlich nur so lange auf, wie sie auf der Zunge zergeht. Gibt es es nicht noch bessere Möglichkeiten?

Ich setze also meine dicke Hornbrille auf, ziehe meinen Laborkittel an und gehe wissenschaftlich an die Frage heran. Und stelle fest: Der menschliche Körper, unser Gehirn und Stoffwechsel sind eigentlich ziemlich vorhersagbar. Sie machen aus Kohlehydraten Energie, aus Eiweiss Muskeln und aus Schlafmangel Reizbarkeit. Aus Sonnenlicht machen sie Vitamin D. Und gerade das ist es, was uns im Herbst fehlt und sich negativ auf unsere Stimmung auswirkt.

Aber moment mal! Wenn mein Körper so leicht zu durchschauen ist, kann ich ihn dann nicht überlisten? Gibt es nicht noch andere Faktoren, mit denen ich den Mangel an Sonnenlicht wieder ausgleichen kann? Und wenn ja, welche wären das?

Ich glaube, die Liste an Stimmungsaufhellern sieht ungefähr so aus:

1. Genug Schlaf
Wenn ich 9 Stunden Schlaf am Stück bekomme, bin ich der entspannteste Mensch der Welt. 8 Stunden sind ok, 7 Stunden sind grenzwertig, und mit weniger Schlaf werde ich launisch und ungeduldig.  

2. Genug Bewegung
Ja, es kostet unendliche Überwindung. Aber spätestens 10 Minuten nach der Joggingrunde, dem Fussballtraining oder dem Herbstspaziergang fühlt man sich stolz und zufrieden. Ausserdem kann beim Sport das Adrenalin abgebaut werden, das vielleicht im Laufe des Tages durch Stress gebildet wurde. Und plötzlich sie man die Dinge viel entspannter.

3. Genug gesundes Essen
Da fällt mir sofort ein Bekannter ein, der sich scheinbar nur von Chips und Cola ernährt und ständig übellaunig und träge ist. In welcher Richtung das zusammenhängt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen: Machen Cola und Chips lethargisch, oder ist es umgekehrt und träge Zeitgenossen haben einfach keine Energie, gesund einzukaufen und zu kochen? Sicher ist: Falsche Ernährung kann z.B. zu Haarausfall oder Diabetes führen. Und das hellt die Stimmung mit Sicherheit nicht auf.

4. Genug Sex
Ui, schwieriges Thema. Kann ich dazu was auf meinem Kuchen-Blog schreiben? Wer liest hier eigentlich alles mit? Ach, was solls. Beim Sex wird massiv Oxytocin ausgeschüttet. Und das ist verantwortlich für diese postorgasmische Zuckerwattewolke, in der man versinkt und vom ganzen Stress und Alltagsgeplänkel unendlich weit weg ist. Unser Hirn bekommt einen Moment Auszeit und darf beruhigt abschalten.

5. Genug sozialer Austausch
Hier sind die Bedürfnisse sehr unterschiedlich. Einige Leute leben in einer Großfamilie, arbeiten den ganzen Tag mit vielen Kunden oder Kollegen und sind glücklich, sich noch jeden Abend mit Freunden zu treffen. Andere heissen Sheldon Cooper. (Ihr wisst schon.) Ich selbst tendiere eher zur zweiten Kategorie, wogegen aber auch nichts zu sagen ist. Man sollte einfach möglichst so viele soziale Kontakte pflegen, wie es einem gut tut.

6. Genug Zeit für Rituale 
Ich habe mal gelesen, dass religiöse Menschen unterm Strich glücklicher sind. Ich persönlich glaube, das liegt nicht an der guten Beziehung zu Gott, Buddha oder dem fliegenden Spaghetti-Monster. Sondern an den Ritualen. Daran, sich ein bestimmtes Zeitfenster pro Woche oder Tag zu reservieren, in dem man zur Ruhe kommt und Zeit hat, ein wenig über sich und sein Leben nachzudenken. Das kann ein sonntäglicher Gottesdienst sein, oder eine morgendliche 10-Minuten-Meditation. Oder ein regelmäßiger Spaziergang. 

Meine Ratschläge für einen zufriedenen Herbst wären also ganz einfach: Geh früher ins Bett. Leg dir einen Hund zu (oder leih den Nachbarshund aus), mit dem du regelmäßig rausgehst. Fahr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Bestell öfter mal einen Salat. Geh regelmäßig zum Yoga. Oder such dir einen Gruppensport, der Spaß macht. Arbeite im Garten, wenn du einen hast. Ruf deine Oma öfter an.

Wisst ihr was? Das klingt alles ganz schön spießig. Aber vielleicht ist das ja gar kein Problem. Vielleicht möchte ich in diesem Herbst ja lieber spießig und zufrieden sein als avantgardistisch und rastlos. Vielleicht setze ich meine Ratschläge selbst um. Vielleicht greife ich aber zwischendurch doch auf Schokolade zurück. ;-)


Habt einen wunderschönen Herbst! 


4 Kommentare:

  1. Ein wunderschöner Beitrag :) Und in vielen Punkten hast du soo Recht! Danke dafür!

    Liebe Grüße, Karin

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    1. Das freut mich sehr, dass er dir gefällt! Ich war ganz unsicher, ob ich sowas auf meinem Blog schreiben kann, obwohl es mal nicht um Kuchen oder Cupcakes geht.

      Liebe Grüße, Venda

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  2. Das ist so was von gar nicht spießig! Vielen Dank für diese Sammlung von Erkenntnissen. Denn klar, eigentlich ... weiß man so was (oder kann es sich denken). Aber uneigentlich geraten die wirklich wichtigen Basisdinge so schnell aus dem Blick. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag!

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    1. Und vielen Dank für deine tolle Aktion! Ich bin sehr gespannt, was am Ende alles an Rezepten zusammenkommt! :-)

      Liebe Grüße, Venda

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