Ein Monster, ein Geburtstagsgruß und ein paar Gedanken zum Thema Farbstoffe



In diesem Artikel möchte ich als erstes Franzi von Dynamite Cakes ganz herzlich zum ersten Blog-Geburtstag gratulieren. Gleich beim ersten Blick auf Franziskas rockiges Blog-Logo war ich sehr angetan. Und ihre Aussagen darüber, seinem eigenen Stil treu zu bleiben und selbstbewusst auch mal wochenlang Pause zu machen, finde ich ganz groß. Schaut doch mal vorbei: Klick!

Franziska hat sich zum Geburtstag Beiträge gewünscht, die zum Thema "schottischer Frühling" passen. Puh, gar nicht einfach. So sehr ich ja die Kombination aus süß und herzhaft mag, konnte ich mich doch nicht überwinden, Haggis in meinen Cupcakes zu verbacken. ;-) Aber ich hoffe, das Loch-Ness-Monster trifft das Thema auch. Liebe Franziska, hab sehr viel Spaß in deinem Schottland-Urlaub, und führe deinen Blog weiterhin so inspirierend weiter!




Zusätzlich möchte ich in diesem Post ein Thema ansprechen, das mich schon eine ganz Weile beschäftigt: Das Für und Wider künstlicher Farbstoffe.

Hier passt es sehr gut hin, denn die Loch-Ness-Cupcakes gehören, wenn man es ehrlich betrachtet, eher in die Kategorie "Basteln" als "Backen". Statt Fondant grün und blau einzufärben und zu formen hätte ich auch z.B. Fimo verwenden und das Monster statt auf Cupcakes auf die Fensterbank platzieren können. Eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, was ich hier eigentlich tue.

Der Katalysator für meine Back-Leidenschaft war Rosanna Pansinos Video-Blog "Nerdy Nummies". Dort werden wöchentlich Leckereien zu Computerspielen, Comics und anderen Nerd-Themen vorgestellt. Genau meine Welt! Die Ergebnisse sind witzig und oft erstaunlich. Die Zubereitung ist aber eins: unheimlich amerikanisch. Dort ist es eine Besonderheit, wenn ein Teig mal "from scratch" hergestellt wird, Rosanna also selbst ihre Zutaten abwiegt und verarbeitet. Meist lautet die Faustregel: Nimm eine fertige Backmischung, füge künstliche Farbstoffe und Geschmacksstoffe hinzu und bastele etwas daraus.

Eine leise Stimme in mir flüsterte mir dabei schon früher zu: Hm, das ist aufregend, hat aber nicht mehr besonders viel mit Backen zu tun.

Als ich mich weiter in die Food-Blogger-Welt vertieft habe, bin ich durch andere, erfahrenere Blogger angeregt worden, weiter über das Thema nachzudenken. Vielen Dank dafür! Warum z.B. möchte Stephie in ihrem Kuriositätenladen gerne Gastbeiträge, aber keine Motivtorten und Farbstoffe?, habe ich überlegt. Und was ist da dran, dass einige Farbstoffe mit ADHS in Verbindung gebracht werden?

Momenten bin ich zu folgenden Schlüssen gekommen:

Was dafür spricht, künstliche Farbstoffe zu verwenden

  • Es ist einfach. Mit künstlichen Farbstoffen bekommt jeder Anfänger spannende Ergebnisse hin, die Freunde, Kollegen und Geburtstagskinder erfreuen. Während Back-Einsteiger nach einem oder zwei missglückten Experimenten mit Hefeteig oder Gelantine gerne wieder das Handtuch werfen, ist das Herstellen von Motiven mit Fondant, Farbe und Ausstechern sozusagen eine Einstiegsdroge. Ich bin mir sicher, dass jeder, der so anfängt, mit der Zeit selbst herausfindet, dass die Back-Welt noch sehr viel mehr zu bieten hat. Bis dahin ist der Hefeteig vielleicht nicht mehr so furchteinflößend, und über die geflockte Gelantine kann man lachen statt weinen.
  • Es hat seinen Platz in der Welt der süßen Dinge. Niemand behauptet, dass quietschbunte Motiv-Cupcakes der Gipfel der Konditorkunst sind. Das sind sie so wenig wie Comics der Gipfel der Literatur oder Popcorn-Action-Filme der Gipfel der Filmkunst sind. Aber manchmal sind sie genau das Richtige. Wenn eine Braut sich rote Rosenblüten auf ihrer Hochzeitstorte wünscht, benutze ich natürlich Farbstoff. Wenn meine Nichte unbedingt eine Prinzessin-Torte zum Geburtstag möchte, ist oben ein rosa Krönchen aus Fondant. 
  • Es bringt niemanden um. Nüchtern betrachtet kann man folgendes sagen: Es gab eine britische Studie, die einen Zusammenhang zwischen künstlichen Farbstoffen und einer leichten Erhöhung der Aktivität von ohnehin hyperaktiven Kindern gezeigt hat. In der EU wurde diese Studie als nicht haltbar bewertet, weshalb die Farbstoffe nicht verboten wurden. Und in der einen Messerspitze Gelfarbe, die man zum Einfärben des Loch-Ness-Monsters braucht, ist vermutlich nur ein Bruchteil des Farbstoffs enthalten, den man ohnehin täglich zu sich nimmt.

Was dagegen spricht, künstliche Farbstoffe zu verwenden
  • Es ist vermutlich nicht gesund. Studie hin oder her, es handelt sich um chemische Zusatzstoffe, die im Labor hergestellt werden. Im Gegensatz zu Farbe aus Spinat oder roter Beete hatte der menschliche Körper nicht über Generationen hinweg Zeit, sich auf diese Stoffe einzustellen. Was genau in unserem Gehirn passiert, wenn diese Stoffe abgebaut werden, kann man nicht sagen. 
  • Es geht viel besser. Ausser in besonderen Situationen (siehe oben) benötigt man keine künstlichen Farbstoffe, um großartige Backwerke herzustellen. Wer wie Yushka Kunstwerke wie die Mailänder Makronentorte oder den geflochtenen Osterkorb herstellen kann, kann gut und gerne auf unnötige Chemie verzichten. Aber: Das geht nicht ohne Weiteres. Das ist sozusagen Stufe 2. Fortgeschrittenen-Level. Man benötigt dafür viel Back-Erfahrung, ein Gespür für Geschmacksrichtungen und -kombinationen, ein Auge fürs Design und viel Kreativität.

Mein Fazit

Ich möchte in Zukunft gerne sehr genau bewerten, wann ich künstliche Farbstoffe einsetze und wann ich natürliche Farben verwende. Eine schreiend-bunte Schachbrett-Torte in rot und blau muss nicht sein, wenn sie mit einem Muster aus Vanille- und Schokoladenteig genauso gut schmeckt. Cupcake-Aufleger oder Blüten aus farbigem Fondant müssen manchmal sehr wohl sein, wenn sich damit ein Thema besonders gut umsetzen lässt (z.B. bei den Flash-Cupcakes).

Gelfarben eignen sich als lebensmittelechte Farbstoffe für Dekorationselemente wie das Loch-Ness-Monster. Es ist nicht schlimm, wenn man kleine Anteile davon mit isst, aber im Teig und im direkten Tortenüberzug werde ich versuchen sie zu vermeiden.

Was denkt ihr? Ich würde mich freuen, eure Meinung zu hören!



Herzliche Grüße aus der Zuckerwerkstatt! 


14 Kommentare:

  1. Zuerst einmal, der Cupcake ist großartig. Total gelungen und passt super zum Thema schottischer Frühling.

    Ich finde mich gerade erst in die Welt des Backens etwas tiefer ein und muss sagen, mir geht das mit den Farbstoffen schon etwas gegen den Strich. Ich backe lieber Sachen wo ich natürlich färben kann, oder gar nicht färben muss. Aber bei meiner derzeit großen Leidenschaft, den Cakepops kann man auf Farbe in den Melts schwerlich verzichten, denn immer nur weiß und schokoladenbraun wird irgendwann auch langeweilig.

    Toll, dass du hier Gedanken zum für und wieder aufführst.

    Und herzlichen Dank für den Hinweis auf Nerdy Nummies. Habe ich noch nie von gehört, finde es aber mega genial (und passt super zu unserem Blogevent zur Zeit: Per Backofen durch die Galaxis)

    Liebe Grüße

    Andrea

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    1. Hallo Andrea,
      danke dass du eine Gedanken dazu teilst! Grade bei süßen Kleinigkeiten wie Cake Pops fällt es ganz schwer, auf Farbe zu verzichten. Dafür macht das Dekorieren aber auch so unheimlich viel Spaß, oder? Da ist das kreative Ausleben irgendwie wichtiger als der Geschmack.

      Euer tolles Event habe ich grade erst entdeckt. Jippie, ein Nerd-Thema! Mal sehen, ob mir dafür etwas einfällt. Ein meinem Kopf kreisen schon die Ideen... :-)

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  2. Oh, Nessie ist so süß geworden. Das gefällt mir sehr. Vielen lieben Dank. Auch für deine lieben Worte :-)

    Zu Farbstoffen in der Tortenkunstwelt habe ich mir auch schon etliche Gedanken gemacht. Bin auch grad am Testen von einigen Sachen, die mich aber alle nicht vom Hocker hauen. Später mehr dazu ;-)

    Ganz liebe Grüße, Franzi

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    1. Liebe Franzi,
      ich bin sehr gespannt, was du herausbekommst. Wenn du heiligen Stein des Färbens ohne künstliche Farbstoffe findest, lass deine Leser dran teilhaben! :-)
      Liebe Grüße, Venda

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  3. Oh mein Gottchen wie süß sind die denn?! Das ist definitv eine Absolut geniale Idee ^^

    Liebe grüße Chrissi
    von http://chrissitallys.blogspot.de/

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  4. Hallo Venda!
    Ich wollte gestern noch schnell antworten, aber war dann doch zu müde. Deswegen jetzt frisch und (noch) wach. :D
    Ich finde wie du, dass man nicht zwingend überall Farbe einmischen muss, wo es auch Kakao oder Früchte tun. Bei aufwändigeren Tortendekos, wie zB Nessi finde ich es okay. Klar könnte man das auch aus Playdoh machen, aber darum geht es ja nicht. Schliesslich sollte - im Zweifel ja alles essbar sein. Es ist immerhin eine große Kunst, aus Lebensmitteln solche putzigen Tierchen zu werkeln. Vorallem aus Marzipan und Modellierschokolade ist es eine eigene Kunst für sich. Aber ja: es sollte nur für besondere Anlässe verwendet werden. Es gibt auch einen wuuuunderbaren Blog namens Dulce Delight. Kennst du den? In einem Video erklärt sie, wie man sich selbst natürliche Lebensmittelfarbe zaubert. Klickst du hier: http://www.delightdulce.com/2014/01/le-technique-how-to-make-natural-food.html

    Liebe Grüße,
    Stephie

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    1. Vielen Dank für den Tipp, Stephie! Ich schau mir das Video heute abend mal an!

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  5. Wow wie geil ist das denn *lol* auf sowas wäre ich nie gekommen, hach für Kiddis bin ich anscheinend noch zu einfallslos, aber noch habe ich ja kein eigenes...aber für meine Nichte backe ich auch öfters...lol...sowas muss ich dann auchmal machen nur als Mädchenversion^^
    Danke und schöne Grüße

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    1. Schön dass die Cupcakes dir gefallen! :-)

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  6. Hallo,

    oh wahnsinn, ich habe den schottischen Frühling voll verpasst, bin ich doch ein Schottland udn Irlandfan, der sogar in Schotti geheiratet hat!

    Mir gefällt dein Nessie sehr gut.

    Ich finde es wichtig, dass jemand mal die künstlichen Farbstoffe thematisiert, denn es ist wirklich ein wichtiges Thema.
    Was tun wir unseren Kindern damit an? Wissen wir nicht.
    Was passiert mit unseren Atemwegen, wenn wir häufig Staub von Puderfarben inhalieren. Wissen wir nicht.
    Noch nicht.

    Klar nicht alle "E"s sind gefährlich, aber ich denke auch nicht, dass es gesund ist.

    Mein Sohn bekommt durchaus mal wingefärbte Elemente zu essen (bspw. Schweinchen-Cakepops zu seinem Geburtstag), aber ich achte mittlerweile schon darauf, möglichst auf Farbe zu verzichten, wenn mein Kind mitisst.

    Farbstoffe können z.B. auch Allergien begünstigen oder allergische Reaktionen hervorrufen.

    Diese Regenbogen und Ombre Kreationen finde ich persönlich toll anzuschauen, aber essen könnte ich das nicht. Widerlich.

    Meine Alternativen sind:
    - weiß eindecken oder mit Schokofondant
    - Dekoelemente, die man gefärbt auflegt, kann man beiseite legen
    -oder gefärbte Dekoelemente aus Modellierschokolade herstellen und spärlich verwenden (d.h. z.B. dünn ausollen)
    - mein Sohn bekam zum Beispiel einen Misthaufen zum Geburtstag. Das war eine Kuppeltorte belegt mit "Nudeln" aus Modellierschokolade.
    - sein Freund bekam ein Traktorbett, die gefärbten Elemente waren außenrum um den Kuchen und nicht zum Essen gedacht. Innen verstecke sich ein eckiger Kuchen zum essen (Himbeer-Sahnetorte mit verschiedenen Böden).

    Ich würde durchaus auch tiefer in die Tasche greifen, um weniger gfitige Farbstoffe zu kaufen, aber bislang sind mir noch keine über den Weg gelaufen.

    In einem kleinen Punkt muss ich Dir ein bisschen widersprechen, ich finde nicht, dass es leicht ist, Motivtorten herzustellen, die gut schmecken, denn das Innenleben muss meiner Meinung nach auch ein bisschen raffiniert sein, nicht nur Boden amerikanische Buttercreme, Boden.

    Ich danke Dir für diese wichtige kritische Anmerkung!!!

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    1. Wow, vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

      Du hast natürlich recht: Motivtorten herzustellen, die auch gut schmecken, ist eine große Kunst. Mein Punkt mit der "Einstiegsdroge" bezieht sich auch eher auf Blümchen oder Schmetterlinge, die man aus gefärbtem Fondant aussticht und damit Cupcakes oder Rührkuchen verziert.

      Das mit dem Inhalieren der Farben ist auch ein wichtiger Punkt, daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Nicht nur die Menschen, die die Kuchen später essen sind von den Farbstoffen betroffen, sondern natürlich auch (und noch viel mehr) die Bäcker, die ständig die Finger voller Farbe haben und mit den Stoffen arbeiten.

      Deine Misthaufen-Torte hab ich übrigens auf Facebook gesehen und fand sie klasse. Modellierschokolade habe ich noch nie ausprobiert, habe das aber auf meiner To-Do-Liste stehen.

      Liebe Grüße, Venda

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  7. Hallo Venda,

    ich wollte mich auch noch kurz zu Wort melden. Erst mal dein Nessie-Monster ist ja wirklich total genial. Wir fliegen Ende August für eine Woche nach Schottland und werden unteranderem auch nach Loch Ness fahren :-)
    Zu den Farbstoffen kann ich jetzt ehrlich gesagt nicht so viel sagen. Ich bin ja eher die Freestyle-Bäckerin, die viel mit Zutaten und Texturen spielt, aber eigentlich nie mit Fondant oder ähnlichem arbeitet. Wie du bereits bemerkt hast, ist Motivtorten basteln, mehr Bastelarbeit als Backen und ich bin keine begabte Bastlerin. Dazu kommt, das ich Fondant und co nicht essen kann. Ich finde den Geschmack leider total widerlich :-/ Aber zum Anschauen ist es echt süss! LG, Karin

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  9. Ich hätte Lust mit dir zu experimentieren selber natürliche Farbstoffe herzustellen (Rote Beete, Algen, blaue Beeren usw.). Man könnte eine Testreihe machen mit verschiedenen Farbstoffen und Anwendungsfällen und schauen, was funktioniert, wie viel man braucht und wie sich der Geschmack verändert. Könnte mir z.B. vorstellen, dass viele Farbstoffe bei Hitze (im Teig) kaputtgehen.

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