Die Dessert-Connection Hamburg-Wien präsentiert: Leichte Mädchen


Manchmal passt es einfach. Manchmal muss man sich gar nicht groß anstrengen, und die tollsten Gelegenheiten ergeben sich. So war das mit Victoria.

Zuerst sind mir ihre sehr netten und herzlichen Kommentare aufgefallen. Dann ihr Blog, auf dem sie die tollen Rezepte und Bilder immer durch persönliche Geschichten untermalt. Als Victoria dann fragte, ob ich einen Gastpost schreiben würde, habe ich ohne lange zu überlegen zugesagt. Und als wir uns über einen Gegen-Gastpost unterhalten haben, hat es irgendwie gefunkt!

Nachdem wir festgestellt haben, dass Victoria uns Wien kommt und ich aus Norddeutschland, wollten wir etwas machen, das die Unterschiede der Österreichischen und Hamburgischen Küche zeigt. Und Victoria hat vorgeschlagen, gleich eine Serie daraus zu machen. Was für ein Glück! Ich selbst hätte mich nämlich nicht getraut, das vorzuschlagen. ;-)

So entstand also die "Dessert-Connection Hamburg-Wien". Wir möchten euch gerne in regelmäßigen Abständen zeigen, was man in unserer Region so mit bestimmten Zutaten macht. Wobei ich etwas neidisch zugeben muss, dass Victoria da wohl eine größere Auswahl hat. Die österreichische Küche strotzt ja nur so vor süßen Ideen: Torten und Teilchen sowie Mehlspeisen, die als ganze Mahlzeiten durchgehen. Aber auch Norddeutschland hat einiges zu bieten - auch über Butterkuchen und Franzbrötchen hinaus. Ihr werdet schon sehen! :-)

Als ersten Thema haben wir uns "Beeren" ausgesucht. Schaut auf jeden Fall bei Victoria vorbei, da gibt es heute passend dazu nämlich Erdbeerknödel!
Natürlich wäre rote Grütze das Paradebeispiel für die Hamburger Küche. Ein einfaches und trotzdem unschlagbar leckeres Rezept für rote Grütze habe ich allerdings schon einmal hier vorgestellt. Deshalb habe ich mich jetzt für etwas anderes entschieden. Und zwar für leichte Mächen - das sind Tarteletts mit einer unglaublich fruchtigen Himbeer-Füllung, abgerundet mit Pistazien und Schokolade. Entwickelt wurden sie im Café Schmidt direkt an der Elbe, und kennengelernt habe ich sie in der Lecker Bakery-Zeitschrift Nr. 1/2013.


Bevor ich euch aber das Rezept zeige, möchte ich euch noch erzählen, warum mich die "leichten Mädchen" gleich so angesprochen haben. Ich habe nämlich eine besondere Beziehung zum Hamburger Rotlichtviertel - ich arbeite dort.

Habe ich euch kurz schocken können? Dann könnt ihr jetzt wieder durchatmen. Ich arbeite nämlich tagsüber. In einer kleinen Stichstrasse zur Reeperbahn, die einen sehr abrupten Wandel vom alternativen Hamburger Kiez zu einem schnieken Büroviertel beinhaltet. Dort sitze ich an meinem Schreibtisch und entwickle Software. In der Mittagspause gehen wir mit den Kollegen oft raus zum Essen - und da holt mich die Reeperbahn dann wieder ein.

Ich sag mal: Ich komm ja vom Dorf. Als Kind habe ich gelernt, Blutwurst zu mögen und beim Hasenschlachten zu helfen. Was ich damit meine: Ich bin nicht besonders zimperlich. Aber mit den Kollegen auf dem Weg zum wöchentlichen Mittwochs-Burger an den ganzen Sexshops vorbeizulaufen, das war schon gewöhnungsbedürftig. Also, versteht mich richtig: Da wird nicht die Auslage diskutiert oder so. Aber die Sachen sind da, und an jeder Ecke wollen einem die Blink-Reklamen erzählen, wie viele Pornokanäle es denn in diesem oder jenem Laden gibt.

Inzwischen bin ich abgehärtet. Ich nehme nur noch aus dem Augenwinkel amüsiert wahr, dass in der Boutique Bizarre Vibratoren in Form vom Eiffelturm ausgestellt sind. Und unterhalte mich dabei über das Wetter, die Urlaubspläne, und über was man eben mit den Kollegen so redet.

Mein Fell ist inzwischen sogar so dick, dass ich gar nichts dabei fand, die Email für das Treffen auf dem St. Pauli-Weihnachtsmarkt letztes Jahr abzuschließen mit: "Wir treffen uns am Holzdildostand." Dieser Treffpunkt macht Sinn, denn im Gegensatz zum den vielen Glühwein- und Crepe-Buden gibt es diesen Stand nur einmal, und er ist gut ausgeschildert. Den findet jeder. Trotzdem war der ein oder andere Empfänger der Email vielleicht etwas befremdet.


Lange Rede, kurzer Sinn: Hier ist die Homage an mein etwas ungewöhnliches Arbeitsumfeld in Form von Hamburger leichten Mädels.

Für den Mürbeteig rührt ihr 60g weiche Butter, 40g Zucker, eine Messerspitze abgeriebene Bio-Zitronenschale, das Mark einer halben Vanilleschote und eine Prise Salz mit der Küchenmaschine cremig. Dann kommt ein Ei hinzu, danach 125g Mehl. Weitere 25g Mehl knetet ihr mit den Händen unter. Der Teig muss danach mindestens 2 Stunden im Kühlschrank ruhen.

Danach rollt ihr den Teig aus, stecht Kreise aus und gebt sie in Tartelett-Förmchen. Wenn ihr keine habt (wie ich), könnt ihr z.B. mit Muffinförmchen arbeiten. Jedes Teigschälchen muss dann mit Backpapier bedeckt und mit Hülsenfrüchten belegt werden. (Das ist das sogenannte Blindbacken. Ich dachte ja, ich kann mir das sparen. Jetzt weiss ich, dass ohne die Hülsenfrüchte der Rand der Förmchen nach unten sackt und sie dadurch sehr flach werden.) Die Förmchen benötigen bei 160° Umluft ca. 13 Minuten.

Für die Creme mischt ihr 2 gestrichene Esslöffel Vanillepuddingpulver, 20g Zucker und 3EL kaltes Wasser in einer kleinen Schüssel. Dann könnt ihr 150g Himbeeren durch ein Sieb streichen und mit 100ml Rote-Bete-Saft und 100g Zucker aufkochen. Rührt dann die Pudding-Mischung unter und lasst alles ca. 1 Minute lang köcheln. Danach wird der Topf vom Herd genommen und 125g Butter in Flocken untergerührt, bis sie geschmolzen sind.

Füllt die Himbeer-Mischung dann in die Förmchen und stellt sie mindestens noch einmal 2 Stunden kalt. Zuletzt könnt ihr die leichten Mädels mit Pistazien und weisser Schokolade verzieren.


Und da Hamburg noch mehr zu bieten hat als leckeres Essen, habe ich mir vorgenommen, euch immer auch noch was Nordisches auf die Ohren zu geben. Den Anfang machen Fettes Brot mit der Hymne, die auch nach über 20 Jahren noch zu Begeisterungsstürmen bei den sonst so zurückhaltenden Nordlichtern führt:



 Herzliche Grüße aus der Zuckerwerkstatt! 

5 Kommentare:

  1. schöner Post :-) Ich habe vor kurzem ganz ähnliche Mini-Pie's gebacken und gebloggt, lustiger Zufall! Die Idee mit der Puddingfüllung finde ich klasse! LG, Karin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Karin,
      die Pies habe ich bei dir auch gesehen. Die fand ich auch sehr schön gemacht mit dem Stern in der Mitte! :-)
      Liebe Grüße, Venda

      Löschen
  2. Hallo,
    als ich deine Mail am Samstag abend gelesen habe, meine Freundin zu mir rüberschielte und das Foto sah, fragte sie was das ist und ob ich das denn nicht auch mal machen könnte... für sie, logischerweise! :D

    LG
    Viktoria

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Und ich kann nur empfehlen, das zu machen. Die waren wirklich sehr, sehr lecker. :-)

      Löschen
  3. Ich hab ja gedacht: hmmm... die sehen schon ganz gut aus, aber sind bestimmt ziemlich trocken und süß. Aber nein! Toller Teig - vor allem nicht zu süß - und dazu diese echt lecker Füllung, die bestimmt auch auf nem frischen Weizenbrot oder nem Hefezopf toll schmecken würde. Die Pistazien und die Schoki geben dem ganzen dann den letzten Kick.
    Könnte ich mir schön vorstellen, wenn man mal die Nachbarn einlädt oder Gäste "aus dem Süden" (südlich der Elbe) zu Gast sind und wir ihnen "was Norddeutsches" zum Kaffee anbieten wollen.

    AntwortenLöschen

Ich freue mich auf deinen Kommentar!